Geb. 22. März 1931 in Montreal, Kanada
William Shatners Vater führte in Montreal ein Bekleidungsgeschäft, und es war sein Wunsch, daß sein Sohn die gleiche Richtung einschlug. Seinem Vater zuliebe ging Shatner aufs College und erlangte einen kaufmännischen Abschluß. Doch schon in dieser Zeit arbeitete er nebenher für den kanadischen Rundfunk.
1954 wurde er Mitglied des Stratford Shakespeare Festival, 1957 erhielt er den Tyrone Guthrie Award als vielversprechendster Jungschauspieler. Shatners Ambition war vom ersten Tag an, ein so guter Schauspieler zu werden wie Laurence Olivier, ein Vorbild, dem er stets nachzueifern versuchte (ohne jemals an dessen Qualitäten heranreichen zu können).
Das Bühnenstück »Tamburlaine«, in dem Shatner die zweite männliche Hauptrolle spielte, war in Kanada so erfolgreich, dass man den Sprung an den Broadway wagte. Dort erwies sich das Stück als nicht annähernd so beliebt; nur Shatner konnte offenbar so überzeugen, dass Twentieth Century Fox ihm einen Siebenjahresvertrag mit einem wöchentlichen
Lohn von 500 Dollar anbot. Shatner überschätzte sein Talent und lehte ab, da er kein Hollywood-Schauspieler, sondern auf der Bühne erfolgreich werden wollte. Er kehrte nach Kanada zurück und schrieb das Theaterstück »Dreams«, in dem er gemeinsam mit Gloria Rand auftrat,die er bereits bei »Tamburlaine« kennen gelernt hatte und wenig später heiratete.
1957 besuchte er die MGM-Studios und erhielt einen Fünfjahresvertrag, da man dort große Hoffnungen in ihn setzte. Diesmal willigte Shatner ein, und im gleichen Jahr bekam er dann auch eine erste Rolle in der MGM-Produktion The Brothers Karamazov. Unzufrieden mit dieser Art zu arbeiten, löste er den Vertrag mit MGM und zog nach New York, um am Broadway zu spielen. Dort bekam er die männliche Hauptrolle in »The World of Suzie Wong«, seine Partnerin war France Nuyen, die er später bei Star Trek wieder sehen würde. 1958 erhielt er den Theatre World Award als bester Schauspieler, 1959 wurde seine Tochter Leslie Carol geboren. Im gleichen Jahr machte sich seine falsche Selbsteinschätzung und eine oft zu bemerkende Geringschätzung anderer bemerkbar, als er seine Kollegin France Nuyen in ihrer Abwesenheit kritisierte. 1961 war er am Broadway in »A Shot in the Dark« zu sehen. Das Angebot, die Hauptrolle in Dr. Kildare zu spielen, schlug er ebenfalls aus, da er sich nicht für eine Serie verpflichten wollte. Die Rolle ging an Richard Chamberlain; Shatner war lediglich in fünf Episoden Gastschauspieler.
Die Theaterarbeit machte sich aber nicht so bezahlt, wie er es erhofft hatte, und so sah Shatner sich schließlich doch gezwungen, Film- und Fernsehrollen anzunehmen. 1961 war er in dem Drama Judgment at Nuremberg zu sehen - zwar nicht in einer Hauptrolle, wie er es sich vielleicht gewünscht hatte, aber schließlich handelte es sich um einen Film mit Weltklasse format.
Noch im gleichen Jahr wirkte er in Roger Cormans The Intruder mit, in dem er einen weißen Rassisten spielt, der die weißen Bewohner einer Kleinstadt gegen die schwarzen Mitbürger aufzubringen versucht. Anfangs scheint ihm das auch zu gelingen, doch der Erfolg steigt ihm zu Kopf, und zum Schluß steht er von allen verlassen da. Shatners Rolle war eine extrem unsympathische, die von jedem Schauspieler Überwindung erfordert hätte. Immerhin beurteilen viele Zuschauer einen Schauspieler nach der Rolle, in der sie ihn sehen, womit die Gefahr bestand, daß Shatner in der Folgezeit keine neuen Rollen mehr finden würde. Zum einen war diesmal das Gegenteil der Fall, zum anderen ist Shatner in keiner Rolle besser gewesen. In diesem Film kam er schauspielerisch seinem Idol Laurence Olivier am nächsten, aber er sollte eine derart intensive Darstellung nie wiederholen.
1962 wurde seine Tochter Lisabeth Marie geboren, 1965 Tochter Melanie Ann. Im gleichen Jahr bekam er eine feste Rolle in der Serie Far the Peaple, die aber nur 13 Episoden erlebte. Außerdem bekam er immer wieder Gastrollen in diversen Fernsehserien; die interessanteste war die Episode »The Project Strigas Affair« aus der Serie The Man fram U.N.C.L.E., in der er gemeinsam mit Leonard Nimoy auftrat, lange vor Star Trek.
Und dann kam Gene Roddenberry mit seiner Serie Star Trek, wobei die Versionen, warum Shatner die Rolle des James T. Kirk annahm, sehr weit auseinandergehen. Die Shatner-Version lautete, daß er die Rolle annahm, weil er in der Serie ein großes Potential erblickte. Eigentlich hätte er aber auch gut von den Gagen aus seinen Gastrollen und den Theaterauftritten leben können. Für den langjährigen Gegner aller festen Engagements war dies eine zumindest unverständliche Entscheidung.
Die andere Version besagt, daß Shatner wegen finanzieller Nöte fast bereit war, einen anderen Beruf zu ergreifen, und das Angebot von Gene Roddenberry gerade im richtigen Moment kam.
Die Serie entwickelte sich nicht so, wie Roddenberry es sich vorgestellt hatte, aber die Rolle des Captain Kirk entwickelte sich durchaus so, wie Shatner es sich wünschte. Er hatte bei Roddenberry durch sein energisches Auftreten einen so starken Eindruck hinterlassen, daß dieser ihm weitgehende Freiheit bei der Gestaltung der Rolle einräumte, was zwangsläufig dazu führte, daß die Rolle des James T. Kirk immer mehr in den Mittelpunkt rückte und Shatner das Geschehen immer stärker kontrollierte. Das ging so weit, daß er bei den Dreharbeiten vor jeder Szene seine Kollegen zusammenrief und über den Verlauf der Handlung mit ihnen diskutierte.
Das Ende der Serie bedeutete für Shatner eine mittlere Katastrophe in finanzieller Hinsicht. 1969 ließ er sich von seiner Frau Gloria Rand scheiden. Da die Unterhaltszahlungen auf seinen Einnahmen aus Star Trek basierten und vereinbart worden waren, als das Ende der Serie noch niemand für möglich hielt, fielen sie entsprechend hoch aus und zwangen Shatner dazu, viele schlechte Rollen in Filmen und beim Fernsehen anzunehmen. Außerdem machte er Werbespots und Anzeigen für Firmen, die trotz des frühen Endes der Serie das Image des Captain Kirk für gut genug hielten, um die Umsätze zu verbessern. Er besuchte auch Talkshows und Conventions, um überleben zu können.
Eine beachtlich gute Rolle bekam William Shatner 1970 in dem hochgelobten Fernsehfilm The Andersonville Trial, doch danach begann sein Stern dramatisch zu sinken. Zwei absolute Tiefpunkte in seiner Karriere waren 1974 Big Bad Mama und 1975 The Devi!'s Rain. Auch seine Auftritte in Fernsehserien ließen zu wünschen übrig, zumal Shatner kaum Wandlungsfähigkeit zeigte.
1973 heiratete er Marcy Lafferty, die bei The Andersonville Trial als Regieassistentin gearbeitet hatte. Der Versuch, mit der Serie The Barbary Coast ein Publikum zu finden, scheiterte schon nach wenigen Episoden, obwohl Shatner in seiner Rolle überzeugte und die Serie an sich auf einem ungewöhnlichen Konzept basierte. In den späten siebziger Jahren konnte er allmählich wieder Land gewinnen, um dann schließlich zu Star Trek zurückzukehren: in Star Trek - The Motion Picture.
Obwohl der Film finanziell nur knapp einem Reinfall entkam, wurde die Reihe fortgesetzt, was insbesondere nach dem Erfolg des zweiten und des vierten Films für William Shatner regelmäßig einen Geldregen bedeutete.
Seine neugewonnene Popularität führte 1982 dazu, daß er die Hauptrolle in einer neuen Serie bekam, als Polizist in T. J. Hooker. Die Serie war beim Publikum sehr beliebt, aus nicht nachvollziehbaren (aber möglicherweise in Shatners Person liegenden) Gründen aber beim Sender sehr unbeliebt, der sie auf immer spätere Sendeplätze legte und zum Schluß mitten in der Nacht ausstrahlte, um den Beweis zu erbringen, daß die Einschaltquoten zu niedrig waren.
Nachdem Leonard Nimoy beim dritten und vierten Kinofilm Regie geführt hatte, fiel bei Star Trek V - The Final Frontier diese Aufgabe aufgrund vertraglicher Vereinbarung Shatner zu. Diese Tatsache führte zu beträchtlicher Kritik und Ablehnung, obwoW noch niemand den Film gesehen hatte, um sich ein Urteil bilden zu können. Das Ergebnis war keineswegs schlecht, aber die über Monate hinweg verbreiteten Vorurteile zeigten Wirkung und ließen den Film an den Kinokassen durchfallen. Hinzu kam, daß Shatner in den unvermeidlichen Interviews zum Film bevorzugt über sein Hobby Pferdezucht redete, das er seit Anfang der achtziger Jahre gemeinsam mit seiner Frau pflegte (inklusive regelmäßiger Auftritte bei sogenannten Showdeos - einer speziellen Art des Schaureitens ).
William Shatner ließ sich davon nicht allzusehr beeindrucken, sondern begann im Anschluß an den Film einen Roman zu schreiben, »TekWar«, der ein immenser Erfolg wurde. Neben mehreren Fortsetzungen wurde die Idee auf eine Comic-Reihe und eine Reihe von Fernsehfilmen übertragen (bei denen Shatner allerdings nicht die Hauptrolle übernahm); die Verhandlungen, ob es sogar zu einer Fernsehserie kommen wird, sind noch nicht abgeschlossen. Trotz aller Beteuerungen von William Shatner, der SF-Autor Ron Goulart habe ihm lediglich geholfen, den Roman zu verwirklichen, halten sich bis heute hartnäckig Gerüchte, wonach der wirkliche Verfasser Ron Goulart allein sei und Shatner mehr oder weniger nur seinen Namen hergegeben habe, um den Roman besser verkaufen zu können.
Seit 1993 war Shatner in drei Rollen als Bösewicht zu sehen: in National Lampoon's Loaded Weapon I, in einer Episode von Columbo und in einer Episode von SeaQuest DSV. Bei all diesen Auftritten präsentierte Shatner ein neues Image, indem er jedesmal mit Schnauzer auftrat. Bedauerlicherweise sah keiner der drei Schnauzer echt aus; die schlimmste Version war in Columbo zu sehen, wo sich das Aussehen des Schnauzbarts im Verlauf des Films mehrfach sowohl in der Form als auch in der Farbe änderte.
In Star Trek: Generations, dem ersten Kinofilm der nächsten Generation, wirkt Shatner ebenfalls mit, an seiner Seite Walter Koenig und James Doohan, die für DeForest Kelley und Leonard Nimoy einspringen, obwohl das Verhältnis zwischen Shatner und Doohan noch nie das beste war. Die ungeliebte Kritik an seinen Kollegen hat Shatner aber auch während der Dreharbeiten zu diesem Film offenbar nicht unterdrücken können. Nach ersten Berichten wollte er Patrick Stewart, der von beiden unbestritten der bessere Schauspieler ist, Vorschriften machen, wie er eine bestimmte Szene zu spielen habe.
SERIEN:
- 1965 als David Koster in For the People
- 1974 als Moderator von Inner Space
- 1975-76 als Jeff Cable in The Barbary Coast
- 1978 in Little Women
- 1978 in The Bastard/Kent Family Chronicles;
- 1982-86 als T. J. Hooker in T. J. Hooker
- 1991 als Präsentator von Voice ofthe Planet
- ab 1991 als Präsentator von Rescue 911
FILME:
- 1956 Dreams (TV);
- 1957 The Brothers Karamazov (Die Brüder Karamasow);
- 1960 Night of the Auk (TV);
- 1961 Explosive Generation (Frühreife Generation);
- 1961 Judgment at Nuremberg (Das Urteil von Nürnberg);
- 1961 The IntruderfThe StrangerlShame/1 Hate Your Guts (Weißer
- Terror);
- 1963 Alexander the Great (TV-Pilotfilm);
- 1964 The Outrage (Carrasco, der Schänder);
- 1968 White Comanche (Rio Hondo);
- 1970 Sole Survivor (TV);
- 1970 The Andersonville Trial (TV);
- 1971 The People;
- 1971 Vanished (TV);
- 1972 The Hound of the Baskervilles (TV; Der Hund von Baskerville); 1972 The Guardians (TV);
- 1973 Horror at 37,000 Feet (TV);
- 1973 Incident on a Dark Street (TV);
- 1973 Pioneer Woman;
- 1973 Go Ask Alice (TV);
- 1974 Indict and Convict (TV);
- 1974 Big Bad Mama (dito/Liebe böse Mama);
- 1974 Dead of Night;
- 1974 Impulse;
- 1974 Pray for the Wildcats (TV);
- 1975 The Devil's Rain (Nachts, wenn die Leichen schreien); 1975 Incubus (in Esperanto);
- 1975 Benjamin FrankIin: The Statesmen (TV);
- 1976 Perilous Voyage (TV);
- 1976 The Tenth Level (Die zehnte Stufe);
- 1977 The Land of No Return (Land ohne Wiederkehr);
- 1977 Kingdom of the Spiders (Mörderspinnen);
- 1977 A Whale of a Tale (Ferien mit einem Wal);
- 1977 Mysteries of the Gods;
- 1978 Crash of Flight 401 (Todesflug 401);
- 1978 The Bastard (TV);
- 1979 The Kidnapping of the President (dito);
- 1979 Disaster on a Coastliner (Die Weiche steht auf Tod);
- 1980 The Babysitter;
- 1982 Airplane 11: The Sequel (Die unglaubliche Reise in einem
- verrückten Raumschiff);
- 1982 Visiting Hours (Das Horror-Hospital);
- 1984 Secrets of a Married Man;
- 1988 Broken Angel (TV; dito);
- 1988 North Beach and Rawhide (Die letzte Chance)
- 1993 National Lampoon's Loaded Weapon I (Loaded Weapon I); 1994 (i. V.) Duet for Life.
